Positionen

Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt

Wuchshüllen

Unsere jagdliche Praxis orientiert sich an ihrer Wirkung auf das Ökosystem. Die Rodung der Wälder und das Entstehen landwirtschaftlicher Flächen war der erste große Eingriff des Menschen in die Natur. „Natur pur“ gibt es heute in Mitteleuropa nur noch in kleinen Restbeständen. Alles andere wurde Kulturlandschaft.

Unsere hessischen Jagdreviere bestehen zumeist aus Wald und Feldbereichen. Auf den Agrarflächen ist der Tisch für Pflanzenfresser reich gedeckt. Das große Angebot in der Vegetationszeit führt zu hohen Vermehrungsraten – etwa bei Rehen und beim Rotwild. Doch im Herbst bringt die bäuerliche Ernte diese Nahrungsquellen zum Versiegen. Danach bleibt dem zahlreichen Wild nur noch der Wald. Die Schäden durch Schälung der Bäume und Verbiss der Vegetation wären gravierend, würde nicht durch die Jagd der Zuwachs abgeschöpft. Diese „Regulierung“ der Wildbestände ist natürlich ein weiterer Eingriff des Menschen, der versucht, die Folgen seines ersten historischen Eingriffs, der Rodung, abzumildern.

Jagd ist also keineswegs der anmaßende Versuch „das natürliche Gleichgewicht herzustellen“. Es geht lediglich um eine „Balance“ in der Kulturlandschaft. Ihre Nutzung durch Ackerbau, Forstwirtschaft und Jagd soll mit Landschaftsschutz und Artenvielfalt in Einklang gebracht werden. Als extensive Naturnutzung liefert die Jagd zudem schmackhaftes Wildfleisch für die Küche.

Wälder ohne Zäune

Verantwortungsvolle Bejagung zeigt sich im Wald. Trifft man im Forstbereich auf „Drahthosen“ und Zäune, um den Aufwuchs vor dem Wild zu schützen, dann wird dort nicht genug gejagt. Dabei geht es nicht nur um die Interessen der Forstwirtschaft, sondern auch um den Erhalt des Waldes als Klimafaktor, Wasserspeicher und Erholungsraum für die Bevölkerung. Eine „Überweidung“ durch Rehe und Rotwild schädigt nicht nur die Bäume. Auch Blütenpflanzen, Stauden und Hecken gehen zurück. Einzelne Pflanzenarten verschwinden ganz. Und mit ihnen zahlreiche Kleintiere, etwa Wildbienen und Schmetterlinge, für die sie Lebensraum und Nahrung waren. Auch in Hessen gibt es Areale mit hohen Wildbeständen, in denen kein Weidenröschen mehr blüht.

Hordengatter

Tierschutz statt Waidgerechtigkeit

weiße Katze

Unsere jagdliche Ethik ergibt sich allein aus dem Tierschutzgesetz, das untersagt, einem Tier unnötige Schmerzen zuzufügen. Überkommene “Weidgerechtigkeit”, die etwa nur den riskanten Schuss auf fliegende Wildhühner, Tauben und Enten erlaubt, das Erlegen laufender Fasanen oder schwimmender Enten aber verbietet, ist mit diesem Grundsatz nicht vereinbar. Unser Leitgedanke des Tierschutzes führt folgerichtig zur Ablehnung der Fallenjagd, die auch mit Lebendfallen den Tieren massiven Stress und damit vermeidbare Schmerzen zufügt. Hermeline in Kastenfallen sterben nach wenigen Stunden. Einfach nur, weil sie eingesperrt sind.